Philosophie

Adam Smiths – Eine Biografie des schottischen Moralphilosophen

Bild von Carola68 auf Pixabay

Adam Smith und sein Werk

Bisher habe ich euch die ersten vier Teile aus Adam Smith’s Buch ‚Theorie der ethischen Gefühle‚ (kurz: TEG; engl.The Theory of Moral Sentiments) vorgestellt. Darin beschreibt der schottische Moralphilosoph wie grundlegend Sympathie für die Entstehung ethischer Gefühle ist. Wenn Menschen können zueinander Verbindung auf Gefühlsebene herstellen, tun sie dies mithilfe der Sympathie. Hier könnt ihr Teil I, Teil II, Teil III und Teil IV nachlesen. Darüber hinaus war Adam Smith maßgeblich an der schottischen Aufklärung beteiligt. Mehr dazu hier. Aber heute werfen wir einen auf Adam Smiths Leben und die wichtigen Aspekte seines Denkens.

Zu Adam Smiths Leben gibt es viel zu lesen.
Zu Adam Smiths Leben gibt es viel zu lesen (Photo by Stepan Babanin on Unsplash).

Adam Smiths Leben: Wegbereiter

Wir schreiben das 1723. Adam Smith wird im Juni dieses Jahres im schottischen Kirkcaldy geboren, einer Gemeinde an der Ostküste des Landes, unweit von Edinburgh. Sein Vater stirbt kurz vor der Geburt. Smith wächst bei seiner Mutter auf, zu der er eine starke Bindung aufbaut. Er lebt in Kirkcaldy bis er im Alter von 14 Jahren Smith sein Studium an der Universität von Glasgow beginnt. Glasgow zeichnete sich zu dieser Zeit durch einen ökonomischen Aufschwung aus und diente Smith später auch als Objekt seiner ökonomischen Beobachtungen. Dort besucht er die Vorlesungen des Moralphilosophen Francis Hutcheson (1694 – 1745), der zugleich ein Vertreter der schottischen Aufklärung ist.

Adam Smiths Leben beginnt 1723 in Kirkcaldy, wo er bei seiner Mutter aufwächst.
Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

Der Einfluss Francis Hutchesons

Obwohl unbekannt ist, wie sehr Smith durch Hutcheson beeinflusst wurde, sind die Ähnlichkeiten vieler Theorien Smiths offensichtlich. Vor allem seine Ideen von gesetzlichen Bestimmungen, Eigentums- und unveräußerlichen Rechten weisen Übereinstimmungen mit Hutcheson’s zweiter Abhandlung der ‚Untersuchung über den Ursprung unserer Ideen von Schönheit und Tugend‘ (Abschnitt V – VII) auf. Darin gleicht Hutcheson das naturgemäße Wohlwollen mit den Gefühlen von Ehre, Scham und Mitleid ab und mit der Beurteilung von moralischem Bewusstsein. Zudem erklärt er, wie Wohlwollen den Menschen in seinen Handlungen und Glückseligkeit beeinflusst. Smith’s Ideen in seinem zweiten Hauptwerk ‚Wohlstand der Nationen‚ (engl. Wealth of Nations) ähneln sich in den Fragen der Arbeitsteilung sowie in der Vereinbarkeit von Pensum und Schwierigkeitsgrad von Arbeit und ihrem Wert. Außerdem beeinflusste ihn Hutcheson’s Erörterung zu den Kosten von Gütern, die abhängig von von ihrer Nachfrage sowie der Schwierigkeit ihrer Beschaffung sind (Systems II. 10. 7). 

Adam Smiths Leben: Lehr- und Studienjahre

Nach drei Jahren Studium in Glasgow beginnt Smith das Philosophiestudium an der Universität Oxford. 1950 wird Adam Smith im Alter von 27 Jahren Professor für Logik an der Uni Glasgow. Bereits ein Jahr später wechselt zum Lehrstuhl für Moralphilosophie. Während seiner Zeit dort freundet er sich mit David Hume an, der wie Smith stark durch die Theorien Hutchesons beeinflusst wurde. Hume gilt später als Wegbereiter für Immanuel Kants Transzendentalphilosophie.

Adam Smiths Leben führt ihn von Kirkcaldy nach Glasgow, Oxford und Edinburgh sowie Toulouse, Genf, Paris und London.
Dean Village, Edinburgh, Schottland (Photo by Jamie Daykin on Unsplash).

Bereits in jungen Jahren galt Smith als zerstreut mit einer umstrittenen Neigung für Selbstgespräche sowie Spekulationen. Darüber hinaus ist Smith als sehr fürsorglich überliefert, denn er ließ seine Studenten bei sich wohnen und sorgte für sie. Im Jahr 1758 übernimmt Smith das Amt des Dekan an der Uni Glasgow. Nur ein Jahr später veröffentlicht Smith mit der ‚Theorie der ethischen Gefühle‘ sein erstes philosophisches Hauptwerk, das ein voller Erfolg wird. Darin beschäftigt er sich mit Fragen zur moralischen Urteilsbildung des Menschen.

Adam Smiths Leben spielt sich viele Jahre an verschiedenen Universitäten ab, wo er nicht nur studiert, sondern später auch unterrichtet und schließlich zum Dekan gewählt wird.
Bild von Nino Carè auf Pixabay

Ein Angebot, das Smith nicht ablehnen kann …

1763 nimmt Smith ein gut bezahltes Angebot des damaligen Präsidenten des Handelsministeriums Charles Townshend an, in dem er als Tutor für seinen Stiefsohn, dem jungen Herzogs Henry Scott, tätig werden soll. Damit legt Adam Smith seine Professur nieder. Als er die Universität verlässt, zeigt sich Smith sehr großzügig: Für das noch nicht beendetes Studienjahr zahlt er seinen Studenten die Studiengebühren zurück. Im gleichen Jahr geht er schließlich mit Henry Scott und dessen Bruder Hew Scott auf Bildungsreise, die ihn sowohl nach Toulouse, Genf als auch nach Paris führt.

Adam Smiths Leben: Auf Bildungsreise

Adam Smiths Leben weist zahlreiche Reisen auf, wodurch er sehr für sein ökonomisches Hauptwerk 'Wohlstand der Nationen' profitierte.
Bild von Carola68 auf Pixabay

Zunächst reist Smith mit seinen beiden Schülern nach Toulouse, wo er ganze 18 Monate in einer englischen Kolonie verbringt. Es heißt, dass Smiths Kenntnisse des Französischen nicht ausreichten, um im damals sehr bedeutenden Toulouse Fuß zu fassen. Daraufhin beginnt er ein Buch zu schreiben, möglicherweise den ‚Wohlstand der Nationen‘ und reist weiter nach Genf. Nachdem Smith in Genf auf Voltaire trifft, begegnet er in Paris neben seinem Freund David Hume auch dem französischen Ökonomen und Leibarzt Ludwigs des XV. Francois Quesnay, der zudem als Begründer des physiokratischen Systems (Physiokratie) gilt.

Die Salons der französischen Aufklärung

Durch seinen guten Freund David Hume, der damals Schriftführer in der britischen Botschaft in Paris war, erhielt Smith Zugang zu den Salons der Literaten der französischen Aufklärung. Dort lernte er u.a. Francois Quesnay kennen, sowie eine Gruppierung von Sozialreformern und Theoretikern, angeführt von Quesnay. Diese bezeichneten sich damals als Ökonomen, heutzutage gelten sie als Physiokraten. Übrigens beschreibt ein Zitat der Schauspielerin Riccoboni aus Smiths Pariser Zeit ihn als „moralisch, praktisch denkend, vergnügt, ohne Hang zur Pedanterie, lachend, liebenswürdig und zerstreut“ (Raphael, Daniel D., 1991, 17-39., S. 30).

Adam Smiths Leben führt auch durch die Salons der Literaten der französischen Aufklärung.
Bild von rottonara auf Pixabay

Treffen der Ökonomen: Die Begegnung mit Francois Quesnay

Die Begegnung Smiths mit Quesnay ist insofern interessant, da Quesnay zuvor mit seinem Tableau économique von 1758 die Idee eines gesamtwirtschaftlichen Kreislaufmodells entwickelt hatte. In seiner Ausübung als Arzt sah er eine Parallele zwischen dem Güterkreislauf und dem menschlichen Blutkreislauf; die ihn auf die Idee einer „Natürlichen Ordnung“ im sozialen Dasein brachte. Zudem veranlasste ihn dies, sich gegen den französischen Merkantilismus auszusprechen: „Laissez faire, laissez passer, le monde va de lui meme“ (dt. „Lassen Sie machen, lassen Sie geschehen; nämlich die Welt, wie sie eben geht“). Damit war er einer der wesentlichen Befürworter des nachfolgenden Liberalismus, der vor allem Gewerbefreiheit sowie gewerbefördernde Infrastrukturen und staatliche Manufakturen forderte.

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

Das Ende einer Reise

Nach insgesamt drei Jahren erkranken der Junge Herzog und sein Bruder an Fieber. Smith zeigt sich in dieser Zeit sehr fürsorglich und mitfühlend. Als Hew Scott am Fieber stirbt, endet die Reise auch für Adam Smith. Nach seiner Rückkehr, arbeitet Smith bis 1767 mit Lord Townshend in London. Danach verbringt er mehrere Jahre in Kirkcaldy und schreibt seine ökonomische Abhandlung, den ‚Wohlstand der Nationen‘ (engl. Wealth of Nations). Das Buch stellt er schließlich während eines erneuten Aufenthalts in London fertig.

Bild von Carola68 auf Pixabay

Vom Wohlstand der Nationen

Nachdem er über sechs Jahre am ‚Wohlstand der Nationen‘ gearbeitet hatte, wird das Buch 1776 als voller Erfolg veröffentlicht. In seinem zweiten Hauptwerk beschreibt Smith die Auswirkungen von Eigeninteresse auf die Gesellschaft. Zudem neige der Mensch zu Handel und Tausch und möchte seine Lebenssituation verbessern. Smith war davon überzeugt, dass Reichtum sich durch menschliche Arbeit ergibt. Und dass der Reichtum eines Landes durch seine Waren zustande käme, nicht allein durch Geld. Darüber hinaus schien Smith viel von der Landwirtschaft zu halten. Jedoch befand er sie nicht als einzig wahre Quelle von Reichtum.

Photo by Chris Lawton on Unsplash

Ferner beschrieb Adam Smith, wie wichtig Arbeitsteilung und Spezialisierung für den Wohlstand seien. Demnach bestehe der höchste Zweck des Wirtschaftslebens im freien Austausch von Waren und Dienstleistungen. Adam Smith zufolge sollten Freier Handel und Wettbewerb die Lenkung der Wirtschaft durch den Staat ablösen. Den in seinem Buch beschriebenen Liberalismus stellte zu seiner Zeit einen sog. ‚counterpart‚, also ein Gegenstück, zum Merkantilismus Europas dar. Der freie Wettbewerb sollte die staatliche Einschränkung der Wirtschaftsgeschehens, die durch Zölle aufrecht erhalten wurde, ersetzen. 

Adam Smiths Leben: späte Phase

Smiths Freundschaft mit David Hume wird sehr gut in der großen gegenseitigen Anerkennung deutlich. So erkannte Hume den Anspruch an Smiths Büchern und lobte deren Tiefe und Fundiertheit sowie Smiths Glaubwürdigkeit und Scharfsinn. Auch Smith zeigte große Bewunderung für Hume. Es heißt Hume’s Charakter sei für Smith ein Beispiel für vollkommene Rechtschaffenheit gewesen.

Bild von Bohdan Chreptak auf Pixabay

Nach der Veröffentlichung des ‚Wohlstands der Nationen‘ 1776 stirbt David Hume. Als Smith eine Schilderung für Humes Autobiografie schreibt, wird er dafür von konservativen Christen als Verfechter des Atheismus bezeichnet. 1777 wird Smith Zollkontrolleur in Edinburgh. Abermals unternimmt er Reisen nach London, bei denen er auch viele schottische Landleute trifft. Sowohl die Gesellschaft seiner Freunde als auch die Teilnahme in ökonomischen societies bedeuteten Smith viel. Bereits im Alter von 67 Jahren starb Smith (1790). Ein Jahr zuvor beginnt mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution. Sowie testamentarisch durch Smith festgelegt, wurden zahlreiche Aufzeichnungen vernichtet.


Quellen

  • Biographie von Adam Smith: Raphael, Daniel D., Adam Smith, Frankfurt 1991, 17-39.
  • adamsmithsociety.net: Biographie von Adam Smith. International Adam Smith Society, aufgerufen am 01.06.2020.
  • Ballestrem, Karl: Adam Smith. München 2001; Linß, Vera: Die wichtigsten Wirtschaftsdenker. Wiesbaden 2007; Volpi, Franco/ Nida-Rümelin, Julian (Hrsg.): Lexikon der philosophischen Werke. Stuttgart 1988.
  • dibb.de: Steckbrief zu Adam Smith, aufgerufen am 31.05.2020.
  • reader.digitale-sammlungen.de: A System Of Moral Philosophy: In Three Books; To which is prefixed Some Account Of The Life, Writings, And Character Of The Author. Francis Hutcheson, London, 1755. PDF-Download und Online-Nachlese, aufgerufen am 01.06.2020.
  • meiner-elibrary.de: Über den Ursprung unserer Ideen von Schönheit und Tugend. FRANCIS HUTCHESON. Hrsg. Wolfgang Leidhold. Felix Meiner Verlag, 1986.
  • iep.utm.edu: Biografie über Francis Hutcheson, The Internet Encyclopedia of Philosophy (IEP), Phyllis Vandenberg und Abigail DeHart. Aufgerufen am 01.06.2020.
  • adamsmith.org: The Wealth of Nations. Adam Smith. Adam Smith Institute. Aufgerufen am 01.06.2020. Eamonn Butler’s Condensed Wealth of Nations als PDF-Download.
  • unifr.ch: 2. Teil – Die Entstehung des klassischen Systems. Prof. Heinrich Bortis, Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie und Wirtschaftsgeschichte
  • wirtschaftslexikon.gabler.de: Definition des Tableau économique von Francois Quesnay. Autor: Prof. Dr. Dirk Sauerland, Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik. Revision von Tableau Économique vom 19.02.2018.
  • link.springer.com: Schmölders G. (1961) Die Physiokraten: François Quesnay (1694–1774). In: Geschichte der Volkswirtschaftslehre. Die Wirtschaftswissenschaften. Gabler Verlag, Wiesbaden.
  • britannica.com: Biograpfie zu Adam Smith. Autor: Robert L. Heilbroner, Encyclopædia Britannica, inc., 12.08.2019.
  • wirtschaftslexikon.gabler.de: Definition – Merkantilismus. Autor: Prof. Dr. Dirk Sauerland, Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik. Revision von Merkantilismus vom 19.02.2018.

Comment here