Grünes LebenScience

Die Wahrheit über Detox

Beim Detox bzw. Entschlacken wird viel getrunken. Vor allem an Wasser wird nicht gespart (Bild von congerdesign auf Pixabay.com).

Ein neues Phänomen…

Detox, aus dem Englischen, von detoxification abgeleitet und ‚Entgiftung‘ meinend. Ein einprägsamer Begriff in den letzten Jahren; hartnäckig und sicherlich noch lange nachhallend. Ein Modewort oder DIE Möglichkeit des Einzelnen sich selbst und von vielen Zivilisationskrankheiten und neuzeitlichen Erkrankungen zu heilen? Bringen wir also Licht ins Dunkel, so dass jeder von uns eine klare Antwort parat hat, wenn es heißen sollte: „Mach doch mal eine Detox-Kur!“.

Beim Detox bzw. Entschlacken wird viel getrunken. Vor allem an Wasser wird nicht gespart
(Bild von congerdesign auf Pixabay).
Beim Detox bzw. Entschlacken wird viel getrunken. Vor allem an Wasser wird nicht gespart
(Bild von congerdesign auf Pixabay).

Wer weitere Beiträge aus dieser Rubrik lesen möchte, kann sich z.B. hier Tipps gegen Hautausschlag holen. Oder hier über Frische-Kosmetik und ihre Inhaltsstoffe lesen.

»Detox« – was heißt das eigentlich?

Der Duden antwortet darauf folgendermaßen: „De|tox – Bedeutung: durch spezielle Ernährung, durch Abstinenz o. Ä. bewirkte Befreiung des Körpers oder der Seele von [gesundheits]schädlichen Substanzen oder Einflüssen“ (duden.de, Stand: 06.04.2020).

Gesetzlich ist der Begriff „Detox“ NICHT definiert (verbraucherzentrale.de, 19.04.2019). Dies erlaubt Herstellern die eigene Auslegung des Begriffs. Am 27.03.2017 hat der Bundesgerichtshof jedoch festgestellt, dass die Produktbezeichnung „Detox“ eine unzulässige gesundheitsbezogene Angabe im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel darstellt. Außerdem verletze die Werbung das Irreführungsverbot des § 11 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB und des § 5 UWG (juris.bundesgerichtshof.de, abgerufen am 06.04.2020). Hersteller umgehen den Beschluss mit leicht veränderten Bezeichnungen wie „antitox“, „d-tox“, oder „de-tox“, die auch mit Entgiftung und Entschlackung werben.

Woher kommt die Hypothese?

Vor Anwendung von Detox-Produkten und -Kuren lohnt sich ein Blick auf die Studien- und Datenlage. (Bild von Janeke88 auf Pixabay.com).
Vor Anwendung von Detox-Produkten und -Kuren lohnt sich ein Blick auf die Studien- und Datenlage. (Bild von Janeke88 auf Pixabay.com).

Die Hypothese, der Körper könne in einen Zustand der Übersäuerung geraten, entstammt den 1920er Jahren. Damals war tierisches Eiweiß hochangesehen. Der Biochemiker Ragnar Berg (1873 – 1956) ermittelte damals den angeblichen Säure- und Basengehalt in Lebensmitteln, indem er nach deren Verbrennung die Asche analysierte, z.B. eine Zitrone. Da er damit die sauer wirkenden Wasserstoff-Ionen verdampfte, schloss er daraus, dass Fruchtsäuren basisch wirken. Tierische Eiweiße hingegen enthalten Schwefel und Phosphat, die Wasserstoff-Ionen binden können. Da sowohl Schwefel wie auch Phosphat in Verbindung mit Wasser zu schwachen Säuren werden, postulierte Ragnar Berg, dass tierische Eiweiße zu »Säureüberschuss und Schlackenbildung« führen. Und schadhaft sein (josef-stocker.de, angesehen am 06.04.2020).

Beim Detox bzw. Entschlacken wird viel getrunken. Vor allem an Wasser wird nicht gespart
(Bild von congerdesign auf Pixabay.com).
Beim Detox bzw. Entschlacken wird viel getrunken. Vor allem an Wasser wird nicht gespart
(Bild von congerdesign auf Pixabay.com).

Entschlackung in der hinduistischen Lehre

Noch viel früher war die Entschlackung in den hinduistischen Behandlungslehren des Ayurveda bekannt. Diese werden dort Panchakarma genannt. Sodass sie als Teil der ayurvedischen Reinigungskur zum Ausschleusen von Abbauprodukten des Stoffwechsels (mala) sowie Unverdautem (ama) beitragen. Hierbei ist anzumerken, dass die Ernährungslehre des Ayurveda auf die Verdauung und sehr auf Entschlackung ausgerichtet ist. Zudem werden die Lebensmittel in harmonisierende, aktiv- oder träge machende eingeteilt (ayurveda.de, angesehen am 07.04.2020). Mittlerweile weiß man, dass selbst unverdaute Nahrungsbestandteile kein Problem für den Körper sind. Denn solche dienen den Bakterien des Dickdarms als Nahrungsquelle um die lebenswichtigen Vitamine B und K zu synthetisieren (gesundheitsinformation.de, aufgerufen am 07.04.2020).

Was besagt die Detox-„Lehre“?

Der Detox-„Lehre“ liegt zugrunde, dass der moderne Mensch Gift- und Schadstoffe aufnimmt und in Form von Schlacken im Körper anreichern würde. Zum Einen wird damit ausgesagt, dass der menschliche Körper diese nicht mehr vollständig ausscheiden kann (dge.de, DGE info 03/2018). Zum anderen wird angedeutet, dass die körpereigene Entgiftungsfähigkeit durch Detox-Produkte wiederhergestellt werden muss. Und eine Kur ihn dabei unterstützen würde sich zu entschlacken (zentrum-der-gesundheit.de, angesehen am 07.04.2020). Diese Produkte werden somit als wirkungsvoller dargestellt, als der dem menschlichen Körper eigene Reinigungsmechanismus zum Ausscheiden von Stoffwechselprodukten.

Sehr gehypt bei Detox: Limettenscheiben mit Wasser 
(Bild von congerdesign auf Pixabay.com).
Sehr gehypt bei Detox: Limettenscheiben mit Wasser
(Bild von congerdesign auf Pixabay.com).

Wie kommen die Schlacken in den Körper?

Der Arzt Otto Buchinger schrieb 1935 ein Buch über „Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden„. In der 24. Auflage wird die moderne Lebensweise wie folgt charakterisiert: „qualitativ schlechte Ernährung mit verheerendem Bewegungsmangel bei schlechten Lebensgewohnheiten wie Stress, Rauchen und zuviel Alkohol“. All dies führe zu einer Ansammlung sog. „aggressiver saurer Stoffwechselprodukte“ führen, die den Organismus schädigen. Und noch dazu ein Heilfasten notwendig machen (narayana-verlag.de, aufgerufen am 07.04.2020).

Ferner soll die Anreicherung von Schlacken im Körper durch Schadstoffe und Umweltverschmutzung zustande kommen. So den Anbietern von Detox-Produkten zufolge. In einer ‚Review‘ (Literatur-Revue) kam an zu dem Schluss, dass medizinische Studien und Nachweise zu deren Wirksamkeit am Menschen fehlen (Klein und Kiat, 2014).

Ob Gänseblümchen im Detox auch ihren Verwendungszweck haben? 
(Bild von congerdesign auf Pixabay.de).
Ob Gänseblümchen im Detox auch ihren Verwendungszweck haben?
(Bild von congerdesign auf Pixabay.de).

Körpereigenes Detox – Die Entgiftungsorgane

Leber und Nieren

Wer macht nun die Arbeit? Obwohl der Detox-Trend das Gegenteil besagt, ist ein gesunder Körper nicht auf Entgiftungs-(Ge-)Hilfen angewiesen. Die Leber z.B. wandelt nicht nur Nährstoffe in körpernutzbare Stoffe um, sondern auch „Giftstoffe“ in unschädliche Stoffe (gesundheitsinformation.de, 22.08.2016). Abfallstoffe, die im Körper entstehen oder durch Nahrung aufgenommen werden scheiden die Nieren über die Produktion von Urin aus. So kann der Körper über den Urin z.B. Medikamente, Drogen oder Gifte entsorgen (gesundheitsinformation.de, 07.02.2018).

Lunge und Darm

Über die Lunge findet hingegen ein Gasaustausch statt. Durch die Lungenbläschen (Alveolen) gelangt Sauerstoff ins Blut. Als Abfallprodukt des Zellstoffwechsels gibt das Blut Kohlendioxid ab, das durch die Lungenbläschen mit dem Ausatmen entsorgt wird (gesundheitsinformation.de, 19.10.2016). Zudem sind Luftröhre und Bronchien von Flimmerhärchen und Zellen besetzt. Letztere produzieren Schleim, der Fremdpartikel bindet, sodass er durch die Flimmerhärchen abtransportiert werden kann. Nicht zuletzt übernimmt der Darm die wichtigste Ausscheidungsfunktion. Nachdem der Dünndarm vor allem die Nahrungsbestandteile, Vitamine und Salze aufnimmt, werden der Nahrung über den Dickdarm noch Salze entzogen. Und für den Körper nicht verwertbare Speisereste werden über den Dickdarm schließlich ausgeschieden (gesundheitsinformation.de, 11.09.2020).

Zwar können sich tatsächlich Giftstoffe wie Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln oder toxische Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber im Fettgewebe des Körpers anreichern. Doch fehlen wissenschaftliche Belege, dass Detox hier hilfreich sein kann (medizin-transparent.at, aufgerufen am 07.04.2020).

Rot ist immer gut! Das bedeutet Antioxidantien im Detox (Bild von Bonbonga auf Pixabay.de).
Rot ist immer gut! Das bedeutet Antioxidantien im Detox
(Bild von Bonbonga auf Pixabay.de).

Zusammenfassung & Fazit

Viele Detox- und Entschlackungskuren raten zu Beginn zur Einnahme von Abführmitteln. Viele Hersteller setzen zudem auf Tees mit Senna-Kraut (Senna alexandrina) ein, das stark abführend wirkt. Eine Anwendung, die über zwei Wochen hinausgeht, kann Darm, Leber und Nieren schädigen. Zudem kann der große Wasserverlust zu Dehydrierung, Störungen im Elekrolythaushalt und in der Folge zu Herz-Rhytmus-Störungen führen (sz.de, 27.11.2019). Abführmittel beeinflussen außerdem die Wirkung von Medikamenten wie z.B. zur Verhütung. Hinzu kommt, dass Detox-Kuren in der Nährstoffaufnahme oftmals restriktiv sind und zu wenig Fett, Kohlenhydrate und Proteine aufgenommen werden. Wer sich langzeitig auf diese Kuren und deren Produkte einlässt, riskiert Stoffwechselstörungen, Muskelabbau und ein geschwächtes Immunsystem (ndr.de, 18.02.2019). Wer seinen Körper wirklich ernst nimmt und ihn im Alltag unterstützen möchte, gönnt sich Ruhe und Entspannung. Und oktroyiert ihm nicht noch zusätzlichen Stress in Form von auszehrenden Kuren auf.


Quellen

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