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Ist die Hamburg HafenCity nachhaltig?


Die HafenCity: Hamburg goes nachhaltig?

Wer Hamburg besucht, wird früher oder später vom „neuen“ Hafen-Stadtviertel hören. Gemeint ist die HafenCity. Sie nennt sich innovativ und zukunftsweisend, aber ist die Hamburg HafenCity nachhaltig?

An Modernität besteht bei diesem Anblick kein Zweifel. Aber ist die Hamburg HafenCity auch nachhaltig?
An Modernität besteht bei diesem Anblick kein Zweifel. Aber ist die Hamburg HafenCity auch nachhaltig?

Aber wie weit wurde bei diesem Vorzeige-Bauprojekt wirklich gedacht? Und weil Fakten sehr aussagekräftig sein können, machen wir den Check.

Hier an den Magellan-Terrassen lässt sich gut sinnieren. Auch über die Nachhaltigkeit der HafenCity.
Hier an den Magellan-Terrassen lässt sich gut sinnieren. Auch über die Nachhaltigkeit der HafenCity.

Ein Blick in die Zukunft…

2050: In diesem Jahr werden drei Viertel der Weltbevölkerung in Städten leben. So die Schätzungen der Vereinten Nationen (UN World Urbanization Prospects, The 2007 Revision). In Deutschland sind es heutzutage über 70 Prozent. Damit verantworten urbane Gebiete ca. 70 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs. Die Tendenz auf globaler Ebene ist steigend, falls die Urbanisierung voranschreitet wie bisher. Weltweit größter klimarelevanter Ressourcenverbraucher sind damit die Städte.

  • Nicht Hamburg, aber Bilder aus der Nähe Münchens - Eine urbanisierte Felder- und Wiesenkulisse in Feldmoching. Ist das nachhaltiger als die Hamburg HafenCity?
  • Nicht Hamburg, aber Bilder aus der Nähe Münchens - Eine urbanisierte Felder- und Wiesenkulisse in Feldmoching. Ist das nachhaltiger als die Hamburg HafenCity?
  • Nicht Hamburg, aber Bilder aus der Nähe Münchens - Eine urbanisierte Felder- und Wiesenkulisse in Feldmoching. Ist das nachhaltiger als die Hamburg HafenCity?

Nicht Hamburg, aber Bilder aus der Nähe Münchens – Eine urbanisierte Felder- und Wiesenkulisse in Feldmoching. Ist das nachhaltiger als die Hamburg HafenCity?

Flächennutzung in der HafenCity

Anstelle einer Neuversiegelung baute man die HafenCity auf ehemaligem Hafenareal. Davon sind Teilflächen kontaminierte Böden (engl. brownfields oder Industriebrachen). Somit wurden Flächen verwendet, die für eine landwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage kommen, da sie zum Teil bereits versiegelt waren.

Exkurs: ‚Brownfields‘

Industriebrachen (engl. brownfields) sind brachliegende Flächen (sog. ‚Brachen‚) aus industrieller Nutzung. Die Gebäude und Anlagen lässt man entweder verfallen oder baut sie zurück. Doch manche werden nach Jahren neubebaut. Da die Böden durch Altlasten oft mit Schadstoffen belastet sind, ist eine Umnutzung oder Revitalisierung oft erst nach aufwands- und kostenintensiver Sanierung möglich.

  • Düsternis und Sonnenstrahl - genau das richtige Wetter um zu hinterfragen, wie nachhaltig die Hamburg HafenCity ist.
  • Düsternis und Sonnenstrahl - genau das richtige Wetter um zu hinterfragen, wie nachhaltig die Hamburg HafenCity ist.
  • Düsternis und Sonnenstrahl - genau das richtige Wetter um zu hinterfragen, wie nachhaltig die Hamburg HafenCity ist.

Düsternis und Sonnenstrahl – genau das richtige Wetter für einen Besuch mit dramatischem Akzent in der HafenCity in Hamburg.

Nachhaltige Bewohnerdichte

Soweit befinden sich rechnerisch auf einem Hektar Landfläche der HafenCity ca. 354 Arbeitsplätze und 110 Bewohner. Diese ’soziale Dichte‘ bedeutet je nach Quartier eine Geschossflächenzahl (GFZ) zwischen 3,7 und 6,1. Auf 1000 Quadratmetern Baugrundstück können somit 3.700 Quadratmeter Geschossfläche (GF) errichtet werden. Während die GFZ eines Kleinsiedlungsgebiets bei ca. 0,4 liegt, beträgt sie im Kerngebiet (z.B. im Stadtkern) ca. 3,0. Demzufolge sind GFZ größer 3,7 für das Wohnen hoch.

Trotz der intensiven Bebauung sind 24 % öffentliche Freiflächen, während es in Hamburgs Zentrum ca. 5 % sind. Und weitere 14 % der HafenCity sind private Freiflächen mit öffentlichem Zugang. Zudem hat die HafenCity 23 % Straßenverkehrsflächen, Hamburgs Innenstadt 42 %.

Die HafenCity setzt Zeichen

Seit 2007 wird das Bau-Engagement in der HafenCity, das gewissen Kriterien der Nachhaltigkeit folgt, mit dem Umweltzeichen HafenCity ausgezeichnet. Das von der HafenCity Hamburg GmbH dafür kreierte Zeichen umfasst Energie, öffentliche Güter, Baustoffe sowie Wohn-, sowie Arbeits- und Freizeitangebot. Später wurde auf Bundesebene eine vergleichbare Auszeichnung mit deutschlandweiter Gültigkeit (DGNB-Standard) etabliert. Auch auf internationaler Ebene werden Bauprojekte im Hinblick auf Nachhaltigkeit bewertet. Nach BREEAM (siehe Infokasten unten).

Exkurs: Die BREEAM-Zertifizierung

BREEAM ist eine international weit verbreitete Zertifizierungsmethode für Gebäude. Als weltweit führende Bewertungsmethode für Nachhaltigkeit in Bauprojekten und Infrastrukturen. Dabei umfasst sie den Lebenszyklus bei Vermögenswerten bei Errichtung, im Einsatz, bei Instandhaltung und zur Sanierung.

Ein Umweltzeichen für Nachhaltigkeit

Seit 2010 ist die Zertifizierung eine Voraussetzung für die Anhandgabe von Grundstücken. Die Einhaltung des Gold-Standards ist somit verpflichtend. Das bedeutet die Vergabe städtischer Grundstücke durch öffentliche Hand an einen Investor oder eine Baugemeinschaft. 2017 wurde das Umweltzeichen um aktuelle gesetzliche Vorgaben ergänzt. Angelehnt an den DGNB-Standard gibt es die Stufen „Gold“ und „Platin“.

Nachhaltiges Bauen in der Hamburg HafenCity

Das wichtigste Ziel des Umweltzeichens soll die Senkung der CO2-Emissionen bei Bau, Betrieb und Rückbau der Gebäude sein. Einerseits soll dies durch eine Reduktion im Energiebedarf erreicht werden und andererseits mit einer Energieerzeugung durch das Gebäude. Und dafür stehen erneuerbare Energiequellen zur Verfügung. Als Orientierung dienen die Vorgaben der Energieeinsparverordnung 2016 (ENEV).

Eine Pause an den Magellan-Terrassen: Viel Beton und versiegelte Fläche. Gilt die Neubauwelt der Hamburg HafenCity als nachhaltig genug?
Eine Pause an den Magellan-Terassen: Viel Beton und versiegelte Fläche. Gilt die Neubauwelt der Hamburg HafenCity als nachhaltig genug?

Die Zertifizierung nach dem Umweltzeichen

Laut HafenCity wurden bis Januar 2017 36 Projekte mit dem Umweltzeichen zertifiziert bzw. vorzertifiziert. Davon 35 in Gold-Stufe und 1 in Stufe Silber. Und das auf über 400.000 m² Geschossfläche. Aber was genau bedeutet „vorzertifiziert“? DieVorzertifizierung ist möglich sobald die Anforderungen voraussichtlich erfüllt sind. nachdem ein genehmigtes Bauvorhaben geprüft wurde. Die HafenCity GmbH beauftragt dafür ein unabhängiges Institut. Vorzertifizierte Bauprojekte handelt sind also noch nicht realisierte Bauten.

Über die gesetzlichen Vorgaben hinaus muss der Bauherr 3 von insgesamt 5 Kriterien erfüllen. Diese sind folgende:

  1. Ein nachhaltiger Umgang mit Energieressourcen ist immer zu erfüllen.
  2. Der Umgang mit öffentlichen Gütern muss ebenso nachhaltig sein.
  3. Der Einsatz von Baustoffen soll die die Umwelt schonen.
  4. Die Gesundheit und Behaglichkeit müssen berücksichtigt sein.
  5. Der Gebäudebetrieb soll nachhaltig und die Barrierefreiheit muss gegeben sein.

HafenCity – nachhaltig mobil?

Die meisten Menschen möchten mobil sein. Dafür wurde ein neues Konzept entwickelt. Im Wesentlichen umfasst es folgende Punkte.

  • 6 Stadtrad-Stationen (Erweiterung in Planung)
  • U4-Anschluss an die S-Bahnstation Elbbrücken
  • mehrere Fähranleger
  • Busverkehr mit Betrieb auf Wasserstoffbasis
  • öffentliche Ladestationen für Elektrofahrzeuge
  • öffentliche Wasserstofftankstelle (ggü. der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG)

Für alle Haushalte (und evtl. Unternehmen) der östlichen HafenCity soll ein stationäres Carsharing-System eingerichtet werden. Tiefgaragen sollen eine Ladesation für E-Fahrzeuge erhalten.

Die Terrassen zwischen Sandtorkai und Kaiserkai bieten Raum zum Fahrradfahren jedoch wenig Grün. Ist die Hamburg HafenCity damit nachhaltig?
Die Terrassen zwischen Sandtorkai und Kaiserkai bieten Raum zum Fahrradfahren jedoch wenig Grün. Ist die Hamburg HafenCity damit nachhaltig?

Wärmeenergie in der Hafencity – nachhaltig und Emissions-sparend?

Die Gebäude der westlichen HafenCity bekommen ihre Energie primär aus dem Hamburger Fernwärmenetz (Kraft-Wärme-Kopplung). Ergänzt wird aus Solarthermie auf ungefähr 1.800 m2 Dachfläche. Die solarthermischen Anlagen und eine Dampfturbine stellen dabei 40 % des Bedarfs an Warmwasser. Mit 175 g pro kWh liegen die Emissionen an CO2 in der West-HafenCity unter dem Bundes-Durchschnitt von 240 g pro kWh.

Ist die Hamburg HafenCity nachhaltig im Hinblick auf ihre Verwendung von Energieressourcen.
Ist die Hamburg HafenCity nachhaltig im Hinblick auf ihre Verwendung von Energieressourcen. Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay.

Die östliche Hafen-City erreicht CO2-Emissionswerte von 89 g/kWh. Durch ein dezentrales Netz wird Nahwärme bereitgestellt. Ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Hannover (Enercity AG) betreiben das Netz. Das Wärmekonzept der östlichen HafenCity verwendet zu 92 Prozent erneuerbare Energien. Und künftig soll eine Versorgung durch die Prozessabwärme einer Kupferhütte etabliert werden. Abwärme ist Wärme, die als Nebenprodukt bei Prozessen (z.B. in Kraftwerken) anfällt. Damit entsteht keine zusätzliche Belastung durch CO2 oder Stickoxide. Zudem wird keine eigene Erzeugungsanlage benötigt.

Kriterien & Prioritäten

Eine Auszeichnung setzt voraus, dass mindestens drei von fünf Kategorien in Platin erfüllt werden und alle weiteren in Gold. Die Kategorie 1 „Nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen“ ist dabei verpflichtend. Seitdem gelten für die Nutzungen Wohnen, Büro, Hotel, Gewerbe/Handel, Versammlungsstätten und Bildungseinrichtungen unterschiedliche Anforderungen. Neu sind die Inhalte Schallschutz sowie Rückbau wie auch Recycling.

Resumé – Ist die Hamburg HafenCity nachhaltig?

Eine „Bewertung“ nehme ich hier nicht vor. Mir zeigt die beschriebene Sachlage, dass Ressourcen und Klima für die HafenCity Größen darstellen, mit denen die GmbH bewusst umgehen möchte. Das Umweltzeichen und Zertifizierungssystem scheinen die Nachhaltigkeit von Bauprojekten bewerten zu können. Ob das VERSTÄNDNIS der HafenCity dem Einzelnen im Bereich des Wohnens nun nachhaltig erscheinen, ist rein subjektiv. Auf die Frage hin „Ist die Hamburg HafenCity nachhaltig? würde ich antworten: „Sie war stets bemüht“.

Wo fängt Nachhaltigkeit im Bereich 'Wohnen' an? Bei naturnahen Wohngebieten? Und wäre dies 
bei steigender Zuwanderung sowie Bevölkerungszahl realisierbar?
Wo fängt Nachhaltigkeit im Bereich ‚Wohnen‘ an? Bei naturnahen Wohngebieten? Und wäre dies
bei steigender Zuwanderung sowie Bevölkerungszahl realisierbar?

Quellen:

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