Philosophie

Adam Smith und die schottische Aufklärung

Bild von Fabio Wanderley auf Pixabay.com.


Die schottische Aufklärung und Adam Smith

Schottische Aufklärung? Wie ich darauf komme? Letzte Woche habe ich zum Sommersemester 2020 ein Modulstudium an der Hochschule für Philosophie in München begonnen. Da ich das Proseminar ‚Freier Markt für mehr Wohlstand‘ belegt habe, ging es zunächst um die schottische Aufklärung und den Wegbereiter der modernen Ökonomie, den Schotten Adam Smith. Weil er auch Moralphilosoph war und mich sein Denken fasziniert hat, stelle ich ihn hier in seinem Wirken im Rahmen der schottischen Aufklärung vor. Zudem wird beschrieben, wie sich damals wichtige Institutionen entwickelten. Und wodurch sich, sowohl das geistige wie auch soziale, Umfeld der Epoche auszeichnete. Außerdem sehen wir uns an, wie sich die Denker der schottischen Aufklärung und Adam Smith methodisch organisiert haben.

Ein Portrait von Adam Smith (Scottish National Gallery)

Wer sich auch für Naturwissenschaften begeistern kann, sei an dieser Stelle eingeladen meinen Beitrag über ‚Das Geheimnis des Wassers‘ zu lesen. Oder hier zur Wasserenergie nach Viktor Schauberger.

Wer war Adam Smith?

Das Leben und Wirken von Adam Smith war eingebettet in den Kontext der Aufklärung. Er wurde zwar am 05.06.1723 in Kirkcaldy getauft, jedoch ist sein Geburtsdatum unbekannt. Seit seinem 14. Lebensjahr studierte er von 1737 bis 1740 an der Universität Glasgow. Da Glasgow zu dieser Zeit einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, diente die Stadt Adam Smith später als Objekt seiner ökonomischen Beobachtungen. Indem Smith sich mit den Auswirkungen von Eigeninteresse auf die Gesellschaft auseinander setzte, war er der Ansicht, der Mensch neige grundsätzlich zu Handel und Tausch. Der Handel und seine Folgen im Zeitalter der Aufklärung sehr wichtig. Zudem sei der Mensch motiviert seine Lebenssituation zu verbessern. Weiterhin ergebe Reichtum durch menschliche Arbeit. Smith beschrieb schon damals die Bedeutung der Arbeitsteilung und Spezialisierung für den gesellschaftlichen Wohlstand.

Vor der schottischen Aufklärung lebten der Großteil der schottischen Bevölkerung auf dem Land - Eine Agrarlandschaft in Schottland (Image by Signboy58 from Pixabay.com).
Vor der schottischen Aufklärung lebten der Großteil der schottischen Bevölkerung auf dem Land – Eine Agrarlandschaft in Schottland
(Image by Signboy58 from Pixabay.com).

Der Kontext der schottischen Aufklärung

Im Jahr 1750 lebten nur ca. 1/8 der Bevölkerung im städtischen Raum. Obwohl Schottland damals ein Agrarland war, stellte es Leinen von geringer Produktqualität her. Die Themen der Bevölkerung betrafen vor allem die Landwirtschaft und den Anbau. Zur Wende vom 17. zum 18. Jhd. entwickelte sich Schottland vom Agrarland zum handelsorientierten Staat. durch. Nachdem auch die Nachfrage nach schottischen Agrarprodukten stieg und der Tabakhandel Aufschwung brachte, veränderten sich auch die Themen der Bevölkerung hin zu gesellschaftlichen Belangen wie Sittlichkeit, Teilnahme am politischen Geschehen und Ökonomie.

Typisch für die Rinderhaltung in Schottland: Schottische Hochland-Rinder 
(Image by macexcalibur from Pixabay.com).
Typisch für die Rinderhaltung in Schottland: Schottische Hochland-Rinder
(Image by macexcalibur from Pixabay.com).

Die Union mit England

Nachdem Schottland im Jahr 1707 einer Union mit England beitrat, besaß das Land keine politische Unabhängigkeit mehr S. 12. Obwohl im Parlament in Westminster bereits weniger schottische als englische Vertreter saßen, wurden die unterzähligen Abgeordneten zusätzlich durch die englische Regierung bestochen. Zudem besaß nur ein geringer Teil der männlichen schottischen Bevölkerung aktives Wahlrecht S. 13. Zwar hätten die sog. ‚Literati ‚ (Intellektuelle) Einfluss auf das politische Geschehen nehmen, jedoch vermieden sie jegliche direkte Einmischung, um nicht als Anhänger der Jakobiten bzw. der Stuarts zu gelten.

Ob es das schottische Wollschaf bereits zur schottischen Aufklärung gab? 
(Image by Jan Blanke from Pixabay.com).
Ob es das schottische Wollschaf bereits zur schottischen Aufklärung gab?
(Image by Jan Blanke from Pixabay.com).

Die Einflussreichen Drei

Die Kirche zur Zeit der schottischen Aufklärung

Da Kirche und Staat jahrhundertelang untrennbar organisiert waren, konnte die Kirche über die Staatshandlungen gesellschaftlich enormen Einfluss ausüben. Bis im Jahre 1690 einfache Gläubige dazu befähigt wurden Kirchenälteste zu wählen. Zudem wurden kirchliche Körperschaften, bestehend aus Geistlichen und Laien zu fast gleichen Teilen, eingeführt. Da gleichzeitig eine Trennung von Staat und Kirche vollzogen wurde, waren Staatsämter auch ‚Ungläubigen‘ zugänglich. Dennoch trugen die Theologen und Geistlichen zur schottische Aufklärung bei. Denn sie zeigten Interesse an Zeitfragen sowie Toleranz gegenüber Andersdenkern.

Wie zur Zeit der schottischen Aufklärung? - Ein Friedhof in Schottland (Image by tioungaro from Pixabay.com).
Wie zur Zeit der schottischen Aufklärung? – Ein Friedhof in Schottland (Image by tioungaro from Pixabay.com).

Ein Wandel in der Kirche

Obwohl der Einfluss der Kirche auf die Politik dennoch groß war, beachtete sie die Herausforderungen im sozialen und metaphysischen Bereich nicht. Denn nach wie vor glaubte die Kirche die damalige Gesellschaft bereits auf das Beste organisiert. Doch die damaligen sozial-hygienischen Bedingungen waren eher schlecht. Nachdem der Staat 1711 den sog. ‚Patronage Act’ verabschiedete, wurde anstelle der religiösen Leute oft Geistliche aus der gebildeten Gesellschaft ernannt. Offenbar wurden Umgangsformen und Bildung mittlerweile höher geschätzt als Frömmigkeit und Glaube.

Die Rechtsordnung in der schottischen Aufklärung

Wie die Kirche waren auch die Richter (sog. „Law Lords“) hoch angesehen. Da sie zur Zeit der Aufklärung vielfältige Rollen bekleideten, waren sie von großer Bedeutung für die schottische Aufklärung. So traten sie z.B. als Schriftsteller, sowie als Diskussionsteilnehmer und Auskunftgebende zu Sittenfragen auf. Seit dem 18. Jhd. bestand sowohl philosophisches Interesse von Seiten der Juristen als auch ein juristisches Interesse unter den Moralphilosophen. Edinburgh war damals die ‚Stadt der Juristen‘.

Die Universitätsstadt Edinburgh in Schottland (Image by Ellen26 from Pixabay.com).
Die Universitätsstadt Edinburgh in Schottland (Image by Ellen26 from Pixabay.com).

Die Literaten in der schottischen Aufklärung

Eine zentrale Bedeuten kommt jedoch den den sog. Klubs und Diskutiergesellschaften zu. Denn als Orte der Zusammenkunft von Interessierten und Gebildeten unterschiedlichen sozialen Standes, hatten sie einen weitreichenden Einfluss in der Aufklärung. Indem Themen mit gegebenem Anlass unter Einbezug der Öffentlichkeit diskutiert wurden, konnte damit ein beträchtlicher Wirkungsradius erzielt werden. Diese Treffen wurden u.a. dazu genutzt, gemeinsam Druck auf das politische Geschehen auszuüben. Zudem war Adam Smith Teilnehmer mehrerer dieser Gesellschaften, vor allem solcher mit ökonomischem Bezug. So nahm er u.a. am ‚Political Economy Club‘ in Glasgow teil, wo Kaufleute und Professoren diskutierten und besuchte weitere ’societies‘. Gute Umgangsformen und rational geführte Diskussionen hatten dabei einen hohen Stellenwert.

Eine der drei wichtigsten Triebfedern der schottischen Aufklärung: Literaten und Professoren (Image by Dariusz Sankowski from Pixabay.com).
Eine der drei wichtigsten Triebfedern der schottischen Aufklärung: Literaten und Professoren (Image by Dariusz Sankowski from Pixabay.com).

Bildung für die schottische Aufklärung

Für die schottische Aufklärung war das Erziehungssystem am bedeutendsten. Auf Basis der Vorschläge von John Knox aus seinem ‚First Book of Discipline‘ wurde zu Beginn des 18. Jhd. ein nationales Erziehungssystem eingeführt. Indem Grundschulen für Gemeinden und Lateinschulen für kleinere Städte entstehen, wird das System des schottischen Reformators des 16. Jhd. John Knox umgesetzt. Zudem wurden landesweit fünf Universitäten gegründet. Bereits im Alter von 13 oder 14 Jahren können Kinder an der Universität studieren. Es wurden sowohl Natur-, Moralphilosophie, Metaphysik als auch Logik und Rethorik unterrichtet. Sowie grundlegende Fächer wie Mathematik, Chemie und Sprachen. Für Medizin, Jura und Theologie gingen die Studenten damals noch nach Holland.

Eine der fünf ersten Universitäten zur Zeit der schottischen Aufklärung: Die University von Glasgow in Schottland (Image by craighunter from Pixabay.com).
Eine der fünf ersten Universitäten zur Zeit der schottischen Aufklärung: Die University von Glasgow in Schottland (Image by craighunter from Pixabay.com).

Neben seiner Teilnahme an Diskutierklubs und -gesellschaften, verfasste Adam Smith zahlreiche Schriften und schrieb zwei Bücher. Anstatt sich alleinig darauf zu fokussieren, war er bereits mit 27 Jahren Professor für Logik und zwei Jahre später für Moralphilosophie an der Universität Glasgow. Die Themen der Moralphilosophie reichten von Theologie über politische Ökonomie bis hin zur Ethik. Wie bereits Francis Hutcheson vor ihm, behandelte auch Adam Smith ökonomische Problemstellungen in seinem Moralphilosophiekurs.

Schottische Aufklärung vs. französische

Während die französischen Aufklärer eine heterogene Gruppe religiöser Zugehörigkeit war, handelte es sich bei den schottischen in der Hauptsache um Christen und Deisten. Darüber hinaus waren die französischen Aufklärer Privatleute und die schottischen Literaten. Im Gegensatz zu den französischen Schriftstellern waren die schottischen meist Professoren, Richter und Geistliche. Damit hatten letztere Zugang zur gebildeten Öffentlichkeit sowie weitreichende politische Einflussmöglichkeiten. Ferner war den schottischen Literati die Veröffentlichung ihrer Schriften erlaubt, so dass sie am politischen  Geschehen teilnehmen konnten. Um Zuge dessen verlief die schottische Aufklärung wenig(er) radikal.

Calton Hill in der schottischen Stadt Edinburgh 
(Photo by Adam Wilson on Unsplash.com).
Calton Hill in der schottischen Stadt Edinburgh (Photo by Adam Wilson on Unsplash.com).

Schottische Aufklärung: Zusammenfassung

Mit Ausnahme von David Hume, der dem Adel entstammte, waren die bekanntesten, schottischen Literaten Bürgerliche und gehörten des Berufs und Lebensstils wegen zum Bildungsbürgertum. Seit der Einführung des Bildungssystems gehörten nun auch Professoren, neben Juristen und Geistlichen zu den treibenden Kräften der Aufklärung. Die geistige Energie der Aufklärung, sowie ihr allgemein ausgerichtetes Denken und Handeln, hatte sein Ursache im Verlust der politischen Mitte des Landes nach der Union mit England. Es blieben drei große Institutionen erhalten, die sich auf Kultur und Ökonomie konzentrierten; die Kirche, das Erziehungssystem und die Judikative. Richter, Geistliche und Professoren prägten die Gesellschaft. Hinzu kam, dass Schottland begann in Konkurrenz zu England zu treten, indem in der Literatur in englischer Sprache verfasst und nachgeeifert wurde. Demgemäß war die schottische Aufklärung auch durch Minderwertigkeitskomplexe im Volk geprägt. Dennoch bestand das Interesse die schottische Kultur zu erhalten.

Carlton Hill im schottischen Edinburgh (Image by Fabio Wanderley from Pixabay.com).

Während der Aufklärung war Bewusstsein im Volk stark geprägt von einem Zugehörigkeitsbedürfnis zu einer Gesellschaft im Aufbruch, die Tradition kritisiert und sich frei von der Kirche macht. Und die sowohl Probleme der Zeit durch Wissenschaft lösen will und an physikalische (Natur-)Phänomene (z.B. Newton) glaubt. Zudem bestand der Wille und Wunsch nach Verbesserung der sozialen Verhältnisse und Lebensbedingungen.

Vor der schottischen Aufklärung war Schottland vor allem ein Agrarland 
(Image by Greg Montani from Pixabay.com).
Vor der schottischen Aufklärung war Schottland vor allem ein Agrarland (Image by Greg Montani from Pixabay.com).

Quellen

Comments (2)

  1. […] Adam Smith und die schottische Aufklärung 28. April 2020 […]

  2. […] Adam Smith und die schottische Aufklärung 28. April 2020 […]

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